Wir lernen sehen, so wie wir z.B. laufen lernen, durch ständiges Üben. Allerdings beginnt das Seh-Training sehr viel früher, nämlich vom ersten „Augenblick“ an.
Nur wenn tief im Inneren auf der Netzhaut beider Augen ein gleichermaßen scharfes Bild entsteht, kann sich das beidäugige Sehen voll entwickeln. Der Zeitraum für diesen Lernprozess ist begrenzt. Versäumtes lässt sich nur innerhalb der ersten Lebensjahre nachholen, denn die Fähigkeit dazu verringert sich von Jahr zu Jahr – je nach Art der Störung sogar von Monat zu Monat. Schon allein deshalb muss bei dem geringsten Verdacht, dass mit den Augen des Babys etwas nicht stimmt, ein Augenarzt zu Rate gezogen werden.
Aber auch wenn die Sehleistung, die Augenbeweglichkeit und die Orientierung der Kinder in Ordnung zu sein scheint, können Babys und Kinder fehlsichtig sein. Das Risiko, dass der Fehler nicht auffällt, ist vor allem bei einseitigen Sehschwächen sehr groß. Die meisten Fehlsichtigkeiten müssen aber spätestens im zweiten oder dritten Lebensjahr durch eine Brille korrigiert werden, um lebenslange, nicht mehr wiedergutzumachende Seheinbußen zu vermeiden.
Deshalb empfehlen wir Ihnen unbedingt: Jedes Kind sollte spätestens im Alter von 2 Jahren augenärztlich untersucht werden!
Den meisten Kindern dient die Brille zum Ausgleich eines Brechungsfehlers – man spricht auch von einer Refraktionsanomalie: Refraktion ist das Verhältnis zwischen der Länge des Augapfels und seiner Fähigkeit, Lichtstrahlen zu bündeln (Brechkraft).
Erste Anzeichen (asthenopische Beschwerden) können Kopfschmerzen, Augenbrennen, vermehrtes Zwinkern und eine erhöhte Blendempfindlichkeit sein.
Die Ursache ist ein zu kurz geformtes Auge. Aus diesem Grund vereinigen sich die aus der Ferne einfallenden Strahlen nicht – wie es sein sollte – auf der Netzhaut-Ebene, sondern erst dahinter, so dass kein scharfes Bild entstehen kann.
Übersichtigkeit wird durch eine Brille mit Sammellinsen (Plusgläser) korrigiert. Diese Gläser sind in der Mitte dicker als am Rand und bewirken, dass sich die Strahlen wieder direkt auf der Netzhaut vereinigen.
Von seltenen Ausnahmen abgesehen, ist die Kurzsichtigkeit auf einen zu langen Augapfel zurückzuführen. Der Punkt, in dem sich die Strahlen vereinigen, liegt vor der Netzhaut. Man sieht dann zwar in der Nähe gut, kann aber in der Ferne nur wenig erkennen. Da sich alles, was kleinen Kindern interessiert, in der Nähe abspielt, fällt Kurzsichtigkeit den Eltern oft erst spät auf.
Zum Ausgleich dieses Brechungsfehlers bekommt das Kind eine Brille mit Zerstreuungslinse (Minusgläser). Diese Gläser sind in der Mitte dünner als am Rand und öffnen das Lichtstrahlenbündel, so dass es sich erst weiter hinten, also wieder auf der Netzhaut vereinigen kann.
Eine von der Kugelwölbung abweichende Form der Hornhaut bewirkt, dass Gegenstände längs, quer oder schräg verzogen erscheinen. Das Auge bildet Punkte zu Strichen („Stäbchen“) ab. Die Gläser, die zur Korrektion erforderlich sind, müssen zylindrisch geschliffen sein. Wenn ein Astigmatismus mit Myopie oder Hyperopie verbunden ist, werden in einem Glas unterschiedliche Korrektionswirkungen kombiniert.
Um den Brechungsfehler und den Grad der Fehlsichtigkeit zu ermitteln, muss die Anspannung der inneren Augenmuskeln vorübergehend gelöst werden. Der entspannte Zustand wird mit Augentropfen erreicht, die die inneren Augenmuskeln lähmen. Nun ist eine exakte Bestimmung des Brechungsfehlers und damit der zu verordnenden Gläserstärken möglich, ohne dass der kleine Patient bei dieser Untersuchung mitarbeiten muss oder gar Schmerzen empfindet.
Mit allen anderen Prüfverfahren wären kleine Patienten überfordert, weil keine zweifelsfrei verwertbaren Angaben erhalten werden.
Je nach Art des Präparates kann die Ruhigstellung der inneren Augenmuskel einige Stunden oder auch einen Tage dauern. Das ist ganz normal und völlig unschädlich.
Da Kinder ihre Brille ständig tragen sollen, kommt es ganz besonders auf den bequemen und gleichbleibenden korrekten Sitz der Brille an. Je stärker ein Brillenglas ist, desto eher kann es beim Blick durch den äußeren Glasbereich zu einer gestörten Bildwahrnehmung kommen. Die Gläser dürfen nicht zu groß gewählt werden und ein angenehmer Sitz muss durch den geeigneten Nasensteg gewährleistet werden.
Die Fassungsgröße richtet sich nach der Größe der Augenhöhle und dem Abstand der Augen voneinander. Generell sollte der Unterrand der Augenbraue die Begrenzung nach oben sein, die Übergangsfalte zwischen Lidhaut und Wangenhaut die Begrenzung nach unten und der Rand der Schläfe die Begrenzung nach außen. Dadurch bleibt die Augenbraue unverdeckt, was für den mimischen Ausdruck sehr wichtig ist. Außerdem liegt die Brille so nicht auf den Wangen auf und verursacht somit keine Druckstellen. Des Weiteren können die Gläser auf diese Weise nicht so leicht beschlagen oder verschmutzen.
Grundsätzlich gilt: Je kleiner Sie die Fassung wählen, desto weniger schränkt die Brille die Bewegungsfreiheit ein und umso kleinere und somit leichtere Gläser kann Ihr Augenoptiker für die Brille verwenden.
Zusätzlich sollten Sie das Kind bei der Fassungsauswahl beteiligen, das fördert den Besitzerstolz.
Quelle: Berufsverband der Orthoptistinnen e.V.
Brillenbügel, die für Kinder bestens geeignet sind, heißen Sport-, Imperial- oder Gespinstbügel. Die Bügel dürfen nicht zu sehr auftragen, sollten weich und elastisch um das Ohr greifen, aber auch Haltefunktion übernehmen. Die Bügellänge beim elastischen Bügel sollte so gestaltet sein, dass der elastische Teil bereits vor dem Ohransatz beginnt und nicht lose hinter dem Ohr herläuft, sondern in einem gewissen Spannungszustand die Brille auf der Nase hält.
Quelle: Berufsverband der Orthoptistinnen e.V.
Der Nasensteg (Sattel- oder Seitensteg) muss eine möglichst große Auflagefläche bieten. Zum einen würde die Brille sonst rutschen – vor allem bei kleineren Kindern, die noch keine ausgeprägten Nasenrücken haben – zum anderen, um das Gewicht der Brille gleichmäßig zu verteilen.
Sattelstege sind bei Kindern bis zu sechs Jahren einer guten Seitenstegkonstruktion vorzuziehen. Der Steg sollte als Sattelsteg möglichst weich auf dem Nasenrücken aufliegen. Der Abstand zwischen Brillenglas und Auge sollte so eingestellt sein, dass das Augenlid und die Wimpern ungehindert vorbeigleiten können.
Quelle: Berufsverband der Orthoptistinnen e.V.
Kunststoffgläser sollten wegen der größeren Bruchfestigkeit Brillengläsern aus Glas vorgezogen werden, ihre Oberfläche kann jedoch schneller zerkratzen. Auf eine Entspiegelung kann bei kleineren Kindern verzichtet werden. Man sollte bedenken, dass die Brillengläser bei Kindern wegen einer Änderung der Brechkraft bei Wachstum öfters ausgewechselt werden müssen.
Zögern Sie bitte nicht, uns zu fragen, wenn das Brilletragen Ihrem Kind Probleme bereitet. In jedem Fall aber sollten Sie uns nach etwa sechs bis acht Wochen mit Ihrem Kind aufsuchen, da wir überprüfen müssen, ob die Brille alle medizinisch-optischen Erwartungen erfüllen kann und ob sich der Augenbefund schon gebessert hat.
Die Sehschärfe übersichtiger Kinder ist bei dieser ersten Kontrolle meist noch unverändert. Sie kann sich sogar etwas verschlechtert haben, weil es unter Umständen eine Weile dauert, bis die neue Brille eine vollständige Entspannung der Akkommodation bewirkt. Erst in den kommenden Wochen und Monaten steigt die Sehschärfe langsam an. Kontrolluntersuchungen sind weiterhin in regelmäßigen, von Ihrem Augenarzt angegebenen, Abständen erforderlich. Ein Wachstum der Kinder bedeutet auch immer ein Wachstum der Augenlänge. Kleine Veränderungen der Augenlänge können äußerlich nicht bemerkt werden, diese haben jedoch einen großen Einfluss auf die Fehlsichtigkeit.
Die Geschwister eines fehlsichtigen Kindes sollten unbedingt ebenfalls vom Augenarzt untersucht werden, denn nicht selten treten bei ihnen gleiche oder ähnliche Augenfehler auf.
Das Schielen gehört zu den häufigsten Augenfehlern, die bei Kindern im jungen Alter auftreten können. Dabei handelt es sich nicht nur um einen „Schönheitsfehler“, sondern um eine ernstzunehmende Augenkrankheit. Schielen kann als immer wieder einmal auftretende bis beständige Fehlstellung des Auges auftreten.
Zwei gesunde Augen liefern zwei verschiedene Bilder vom fokussierten Objekt. Dadurch können Entfernungen von Objekten erkannt werden.Bei einem Augenpaar, bei dem ein oder beide Augen eine Fehlstellung aufweisen, ist dies nicht der Fall. Es entstehen Doppelbild und die Fähigkeit des räumlichen Sehens geht dadurch verloren.
Bei Säuglingen ist in den ersten 3 Monaten ein Schielen häufig vorhanden. Ab dem 6. Lebensmonat darf kein Schielen mehr auftreten. Sollten Sie beunruhigt sein, sprechen Sie einfach mit Ihrem Augenarzt.
Erste Anzeichen
Werden diese Zeichen öfters beobachtet, sollten Sie Ihrem Augenarzt davon berichten.
Die Diagnose und Behandlung sollte so früh wie möglich durchgeführt werden. Eine Langzeitschädigung des Auges kann so vermieden werden. Andernfalls bleibt die Augenfehlstellung ein Leben lang und das kranke Auge wird sehschwach. Für die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern sind folgende Untersuchungen vorgesehen:
Zusätzlich werden Untersuchungen bei Ihrem Augenarzt empfohlen. Der Augenarzt ist dabei nicht auf die Mithilfe des Kindes angewiesen.
Wird eine Fehlstellung der Augen festgestellt, so ist es äußerst wichtig, dass die Eltern das Tragen der Brille kontrollieren. Auch sollten Augentropfen nach den Vorgaben des Arztes verabreicht werden.
Wenn all diese Schritte befolgt werden, wird sich Ihr Kind lange am Sehen erfreuen können und die Welt ungehindert entdecken.